Medaillenjagd in Transsilvanien: „Hellboy“ Schlitte erkämpft Platz 6 bei der EM in Rumänien
Brasov/Wolfsburg. Während die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft zeitgleich gegen den Außenseiter aus Curaçao antrat, hatte es Matthias „Hellboy“ Schlitte bei der Armwrestling-Europameisterschaft im rumänischen Brasov mit einer ganz anderen Leistungsklasse zu tun. Unweit des legendären Dracula-Schlosses im Herzen Transsilvaniens traf unser Top-Athlet auf die absolute europäische Elite der Armringer. Im stark besetzten Limit bis 70 Kilogramm hatten neben dem Deutschen 20 weitere Spitzensportler gemeldet. Doch der Wolfsburger biss sich an der harten Konkurrenz keineswegs die Zähne aus.
Furioser Start und erster Härtetest
Nach seiner verletzungsbedingt stark verkürzten Vorbereitung zeigte sich Schlitte von Beginn an hochkonzentriert. Runde um Runde kämpfte er sich nach vorn. Nach souveränen Siegen gegen den dänischen Nordic-Open-Sieger Joe Hougaard und den griechischen Vasileios Filikidis kam es in der vierten Runde zum ersten echten Härtetest. Dort musste sich Schlitte dem späteren aserbaidschanischen Vize-Europameister Orkhan Isayev geschlagen geben.
„Drei Siege zum Start sind unglaublich stark, aber auch eine Bürde. Schließlich ist in Runde vier jeder noch ungeschlagen und das Niveau brutal. Mit der Überfall-Technik von Isayev kam ich nicht so recht klar“, analysierte Schlitte den ersten Dämpfer des Turniers.
Nervenschlacht gegen den Lokalmatadoren
Aufgeben war für den 13-fachen Deutschen Meister jedoch keine Option. Da im Turniersystem jede weitere Niederlage das direkte Ausscheiden bedeutet hätte, musste Schlitte einen kühlen Kopf bewahren. In der darauffolgenden Runde wartete die nächste Mammutaufgabe mit echtem Heimvorteil: Der rumänische Lokalmatador Marius Gabriel Licuț.
Schlitte hatte in diesem Match nicht nur einen Welt- und Europameister als Gegner am Tisch, sondern auch die gesamte Halle und das lautstarke rumänische Publikum gegen sich. Der „Hellboy“ hielt dem enormen Druck jedoch stand, behielt die Nerven und besiegte den favorisierten Gastgeber nach drei Neustarts und zähem Ringen.
Kraftakt in der Schlussphase
Das Turnier bog nun in die absolute Crunchtime ein, und die Schlagzahl wurde gnadenlos erhöht. Nur zwei Minuten nach seinem kräftezehrenden Triumph gegen Licuț musste der Weltmeister von 2022 bereits wieder an den Tisch. Im Duell gegen den polnischen Medaillengewinner Darek Fudro machten sich schließlich die fehlenden Trainingswochen bemerkbar. Schlitte unterlag und beendete das Turnier nach sieben hochgradig umkämpften Runden auf einem starken 6. Platz.
„Ich hätte gegen Fudro technisch etwas anders agieren müssen. Allerdings hat nach den intensiven Runden am Ende auch einfach etwas die Kraft gefehlt. Beim nächsten Mal weiß ich aber genau, was ich anders machen werde“, bilanzierte unser Athlet mit Blick auf seine vorangegangene Muskelverletzung.
Ein Turnier, das Maßstäbe setzt
Trotz der knapp verpassten Medaille zog der Wolfsburger ein durchweg positives Fazit aus seinem Trip ins Reich Draculas: „Ich habe mich stark präsentiert und gut gekämpft. Die Konkurrenz war extrem hart und die Jugend drückt immer stärker nach. Die Meisterschaft selbst war fantastisch organisiert. Die rumänischen Gastgeber haben uns großartig willkommen heißen – inklusive Public Viewing vor der Halle in der Sonne, Food Trucks und traditionellen Gastgeschenken. Diese EM hat definitiv neue Maßstäbe gesetzt.“
Nach den Stationen in Las Vegas, Magdeburg und dem harten Pflaster in Siebenbürgen hat Matthias Schlitte bewiesen, dass er trotz gesundheitlicher Rückschläge weiterhin zur absoluten europäischen Spitze gehört. Für die WM im Oktober in Japan geht es bereits im Juli mit der Vorbereitung los, dann kehrt Schlitte nach über 15 Jahren ins Land der aufgehenden Sonne zurück und nimmt seine vierte WM-Medaille ins Visier.

