VfL-Trio stellt sich der Weltelite
Wolfsburg/Tsuchiura. Knapp 23 Stunden Reisezeit, ein Zwischenstopp in Hongkong, ein verpasster Anschlussflug und zeitweise taifunartige Regenfälle: Die Anreise zur Armwrestling-Weltmeisterschaft in Japan hatte es für unser Trio in sich. Doch Fabian Täger, Jan Täger und Matthias „Hellboy“ Schlitte meisterten die Strapazen gemeinsam und vertraten uns bei der Weltmeisterschaft in Tsuchiura. Sportlich überzeugten die drei Nationalmannschaftsathleten mit starken Leistungen: Jan Täger gewann Silber mit dem linken Arm in der Klasse bis 63 kg, Fabian Täger wurde in derselben Disziplin Fünfter und Matthias Schlitte belegte mit dem rechten Arm bis 70 kg ebenfalls Rang fünf.
Damit bildeten die drei eine wichtige Säule des deutschen Nationalteams. Nach der langen Anreise wartete in Japan ein internationales Teilnehmerfeld mit starken Athleten aus Aserbaidschan, Japan, den USA, Bulgarien und zahlreichen weiteren Nationen. Gerade die japanischen Gastgeber wollten vor heimischem Publikum ihre Klasse beweisen.
Jan Täger kämpft sich ins WM-Finale
Für das sportliche Highlight aus unserer Sicht sorgte Jan Täger. In der Klasse bis 63 kg mit dem linken Arm setzte er sich gegen die internationale Konkurrenz durch und zog bis ins Finale ein. Dort wartete mit Ali Mammadov aus Aserbaidschan ein altbekannter Gegner. Das Duell war die Neuauflage der vergangenen beiden Weltmeisterschaften, bei denen sich Mammadov und Täger ebenfalls im Finale gegenübergestanden hatten.
Damit trafen erneut zwei mehrfache Weltmeister aufeinander, die sich bestens kannten und alles voneinander abverlangten. Beide schenkten sich nichts und lieferten sich einen hochklassigen Kampf. Am Ende setzte sich jedoch die jugendliche Power des Mannes aus Baku gegen den erfahrenen Deutschen durch. Für Täger blieb die Silbermedaille – ein herausragender Erfolg in einem Teilnehmerfeld mit 16 Athleten.
Auch Fabian Täger musste sich gegen starke internationale Konkurrenz behaupten. Mit dem linken Arm erreichte er den fünften Platz. Mit dem rechten Arm kamen beide Brüder ebenfalls in die Top 7: Fabian wurde Sechster, Jan belegte Rang sieben. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die beiden trotz schwieriger Voraussetzungen in beiden Disziplinen im vorderen Bereich des Teilnehmerfeldes behaupten konnten.
Fabian sorgte bei seinen Kämpfen immer wieder für Begeisterung beim japanischen Publikum. Mit einer taktisch klugen Herangehensweise blockte er zunächst die Angriffe seiner Gegner, bevor er selbst in die Offensive ging. Trotz seiner Nackenverletzung zeigte er eine starke Performance und knüpfte damit an seine internationale Leistung aus dem Vorjahr an, als er bei der Weltmeisterschaft Silber gewonnen hatte. Besonders sein Kampf um Platz fünf gegen den Japaner Hirotaka Ando wurde zum Höhepunkt: Fabian setzte sich durch und sicherte sich damit einen Platz unter den besten fünf Athleten seiner Klasse.
Schwierige Generalprobe – starke Wettkampftypen
Die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft verlief für die Täger-Brüder alles andere als ideal. Beim heimischen Turnier „Over the Top“ hatten sich bereits gesundheitliche Probleme bemerkbar gemacht: Fabian kämpfte mit Nackenbeschwerden, Jan hatte sich am rechten Arm leicht verletzt. Entsprechend mussten beide ihr Training anpassen.
„Manchmal bewahrheiten sich alte Sprichwörter: Eine schwierige Generalprobe kann ein erfolgreiches Turnier bedeuten. Die Zwillinge konnten sich verletzungsbedingt nicht so intensiv vorbereiten, wie es für eine Weltmeisterschaft auf diesem Niveau notwendig ist. Allerdings haben die Brüder absolutes Kämpferherz bewiesen und das Maximum herausgeholt. Die Dangerous Twins sind eben echte Wettkampftypen“, sagt Schlitte anerkennend.
Während die Brüder mit eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten nach Japan reisten, hatte Schlitte über mehrere Monate gezielt an seiner Form gearbeitet. Fünf- bis sechsmal pro Woche standen Krafttraining, armwrestling-spezifische Übungen und Sparring auf dem Programm. Der Turniersieg beim „Over the Top“ in der höheren Gewichtsklasse bis 80 kg hatte ihm zusätzlich Selbstvertrauen für die WM gegeben.
Bei der WM trat Schlitte in der Klasse bis 70 kg mit dem rechten Arm an. In einem Feld mit 19 Athleten aus unter anderem Japan, Aserbaidschan, Polen, Griechenland und den USA absolvierte er sieben intensive Kämpfe. Fünf davon gewann er.
Besonders das Duell mit dem japanischen Champion Yoshitsune Miyamoto entwickelte sich zu einem regelrechten Marathon mit mehreren Neustarts und einer minutenlangen Diskussion nach einem Protest des japanischen Teamchefs. Schlitte musste schließlich seine erste Niederlage hinnehmen. Auch der spätere Kampf gegen Chihiro Tsukada endete nach einer umstrittenen Foulentscheidung knapp zu seinen Ungunsten. Mit einem souveränen Sieg gegen den Polen Dominik Leja im Kampf um Platz fünf setzte er dennoch einen starken Schlusspunkt.
„Natürlich hätte ich mir eine Medaille gewünscht. Ich habe fünf meiner sieben Kämpfe gewonnen und war am Ende bester Europäer. Bei rund 25 Neustarts war das ein echter Kraft- und Nervenmarathon. Mit Platz fünf der Welt kann ich mich aber absolut sehen lassen“, lautet Schlittes Fazit.
Gemeinsame Reise mit besonderen Erlebnissen
Für unser Trio endete die Reise nicht mit den letzten Kämpfen. Gemeinsam erlebten sie noch einige Tage der verschiedenen Facetten Japans. Neben Tokio standen auch die Kulturmetropolen Osaka und Kyoto sowie die tropische Insel Okinawa auf dem Reiseplan.
Ein besonderes Erlebnis war der Besuch einer Sumo-Veranstaltung. Unsere Sportler erhielten Einblicke in den traditionellen japanischen Ringkampf, und Schlitte durfte selbst im Ring aktiv werden. Auch abseits der Sportstätten kam es immer wieder zu Begegnungen mit japanischen Fans, die unseren deutschen Armwrestler von früheren Fernsehauftritten kannten und um Fotos baten.
Nach der intensiven Vorbereitung, den Wettkämpfen und der langen Reise steht für unsere Athleten nun zunächst Regeneration auf dem Programm. Zeit zum Durchatmen ist verdient – bevor der Blick wieder nach vorn geht.
Nächste internationale Höhepunkte 2027
Auch im kommenden Jahr warten große Aufgaben auf unser Armwrestling-Team. 2027 stehen die Europameisterschaft auf Zypern und die Weltmeisterschaft in Alexandria in Griechenland auf dem Kalender. Damit geht es erneut auf die internationale Bühne – diesmal voraussichtlich mit deutlich kürzerer Anreise und ohne den Zwischenstopp in Hongkong samt taifunartiger Regenfälle.
Results – World Championship 2026
Senior Men – Right Hand, 63 kg (Top 10)
| Place | Athlete | Country |
|---|---|---|
| 1 | Ali Mammadov | Azerbaijan |
| 2 | Masato Higa | Japan |
| 3 | Daiki Komae | Japan |
| 4 | Shane Palmer | United States |
| 5 | Bryant Dagenhart | United States |
| 6 | Fabian Täger | Germany |
| 7 | Jan Täger | Germany |
| 8 | Hirotaka Ando | Japan |
| 9 | Hiroshi Kotera | Japan |
| 10 | Brad Spine | United States |
Senior Men – Left Hand, 63 kg (Top 10)
| Place | Athlete | Country |
|---|---|---|
| 1 | Ali Mammadov | Azerbaijan |
| 2 | Jan Täger | Germany |
| 3 | Ryo Nakao | Japan |
| 4 | Zahari Stefanov Zahariev | Bulgaria |
| 5 | Fabian Täger | Germany |
| 6 | Hirotaka Ando | Japan |
| 7 | Kazuki Hayashi | Japan |
| 8 | Roman Medvedsky | Israel |
| 9 | Oscar Pelayo Hernández | Mexico |
| 10 | Yuki Horie | Japan |
Senior Men – Right Hand, 70 kg (Top 10)
| Place | Athlete | Country |
|---|---|---|
| 1 | İsmayil Mustafajew | Azerbaijan |
| 2 | Yuhei Shimamoto | Japan |
| 3 | Yoshitsune Miyamoto | Japan |
| 4 | Chihiro Tsukada | Japan |
| 5 | Matthias Schlitte | Germany |
| 6 | Dominik Leja | Poland |
| 7 | Vasilis Filikidis | Greece |
| 8 | Marius Licuț | Romania |
| 9 | Tatsuya Irei | Japan |
| 10 | Masanori Suzuki | Japan |

